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agnes
# Posted: 30 Jul 2006 02:57
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Die Standardargumente der WHO und Mobilfunkbefürworter
Erfahrungen auf dem internationalen Workshop
Electrical Hypersensitivity
vom 25.-26. Oktober 2004. PRAG

Anwesend waren Vertreter aus den verschiedensten Staaten der Erde, was zeigte, dass es sich bei der Elektrosensitivität um ein internationales Problem handelt. Es diskutierten ca. 75 Forscher aus universitären Instituten, ca. 25 Ingenieure der Mobilfunk-Industrie sowie etwa 35 Beamte aus Strahlenschutzbehörden und Ministerien. Leider waren nur 4 Ärzte zugegen. Aus den Betroffenen-Organisationen waren lediglich 9 Personen gekommen.
Dr. Birgit Stöcker: http://www.elektrosmognews.de/news/20041128_workshop_prag.html

Alles Wissen oder was?
Entschuldigung, dies ist eine zarte Anspielung auf die Käuflichkeit von Wissen, ein grundsätzliches Thema bei der Forschung im Zusammenhang von Mobilfunk. Eine solch flapsige Ausdrucksweise entspricht zwar nicht der „political correctness“ der hohen Wissenschaft, beschreibt aber einen Zusammenhang, den man nicht unter den Tisch kehren kann. Ich möchte noch sagen, dass ich Journalistin bin und nicht das Ziel verfolge, die Studien detailliert wissenschaftlich zu diskutieren. Mir geht es vielmehr um die Prämissen und um verantwortliche Wissenschaft. Wenn ich daran denke, wie oberflächlich das Problem der Verantwortung in den Bereichen Risikotechnologien verwendet wird fällt mir reine Wissenschaftlichkeit wirklich schwer.

Über den Prager Workshop äußerten sich Gerd Friedrich Geschäftsführer der Forschungs-Gemeinschaft Funk FGF und Prof. Dr. med. Reinhold Berz Vorstand von der Organisation Non Ionizing Radiation Medical Expert Desk NIRMED hinterher ganz euphorisch:
„Die WHO und die unterstützenden Organisationen haben Mut bewiesen mit dieser Konferenz“, resümieren Friedrich und Berz. „Sie haben (mit diesem Workshop, Anm. der Verfasserin) ein „heißes Eisen“ ohne Vorurteile angepackt. Sie haben Fachleute und – sehr wichtig und lobenswert – auch Betroffene zu Wort kommen lassen.“ Na ja, einfach mal reden lassen....denke ich mal.
http://www.google.de/search?q=cache:jxnokryjuc0J:www.fgf.de/fup/publik at/news_einzel/NL_04-04/Internationaler_EMF_Projekt_Workshop_Elektrohy persensitivitaet_04-04d.pdf+weltgesundheitsorganisation+IEI&hl=de&ie=U TF-8
Von welchem Mut die Herren da sprechen?

Im Folgenden werden einmal die wesentlichen Argumente aufgeführt, mit denen Betroffene in kommunalen Versammlungen und Veranstaltungen der Betreiber auch auf dem Workshop in Prag, immer wieder konfrontiert werden. Diese Informationen sind wichtig, weil die Vertreter der Mobilfunkbetreiber geschult sind und mit bestimmten Argumenten standardmäßig antworten.

Ich möchte aber noch etwas vorausschicken:
Die blockierte Suche nach der Wahrheit
Die Wissenschaft hat zur Zeit Schwierigkeiten bei der Suche nach der Wahrheit. Konkret sehe ich drei große Probleme, die für die Misere bei der Beurteilung von Risikotechnologien wie Mobilfunk eine Rolle spielen.

1. Die Abhängigkeit der Forschung von Drittmitteln. Leider wurde von den Referenten in Prag nicht offengelegt, wer ihre Studien bezahlt hatte. Vielleicht ist der eine oder andere Experte ja davon überzeugt, er habe sich in seiner Forschung von Geldgebern nicht beeinflussen lassen.
Aber der Geldgeber muss befriedigt werden, um weitere Aufträge zu bekommen, und dadurch geraten viele Forscher unter Druck. Der eine sieht seinen Job in Gefahr, das neue Haus, das noch der Bank gehört, die Kinder wollen studieren etc. das muss der Studienleiter gezwungenermaßen mitreflektieren.

2. Die neoliberalistische Einstellung von Politik und Wirtschaft, d.h. Restrisiken bzgl. gesundheitlicher Gefahren werden bewusst in kauf genommen und legalisiert, um die Ökonomie zu stützen.

3. Dies basiert auf Irrtümern des naturwissenschaftlichen Denkens. Über die einschränkende Sichtweise der Naturwissenschaft, so wie sie großenteils betrieben wird, wird viel zu wenig geredet. Der Astrophysiker Arthur Eddington hat für diesen Umstand ein schönes Beispiel gefunden:

„Ein Wissenschaftler fischt mit einem Netz, das zehn Zentimeter große Maschen aufweist. Als Wissenschaftler stellt er fest: ‚Alle Fische sind mindestens zehn Zentimeter groß und haben Flossen.’ Darauf sagt ein Passant, der gerade vorbeikommt, er habe Fische gesehen, die nur fünf Zentimeter groß sind. Worauf er die absurde Antwort erhält: ‚Was mein Netz nicht fangen kann, ist kein Fisch!’“

Jedes wissenschaftliche Studiendesign hat seine eigene Maschengröße. Wir können nicht alles naturwissenschaftlich erfassen und beweisen, aber eben vieles aufgrund von Erfahrung als wahr annehmen, die substantielle Substanz begreifen. Seit Tausenden von Jahren wissen Mensch und Tier, dass die Sonne morgens auf und abends untergeht, auch wenn die Wissenschaft das selbst heute noch nicht bis in die letzte Konsequenz beweisen kann, weshalb das so ist. Die lebendige Wirklichkeit ist nicht nur von der naturwissenschaftlichen Beweisen abhängig.

Sie hat die Weisheit aber derart für sich in Besitz genommen, dass für andere Erfahrungen fast nichts mehr übrig bleibt. Es wird wohl noch lange dauern, bis sie die Bedeutung des simplen Beispiels vom Fischernetz verinnerlicht. Bis ein ungenaues oder falsches Paradigma aus den gewohnten Denkstrukturen verschwindet, braucht es viele Argumente. Natürlich ist das auch eine Frage der Motivation.

Das Verheerende daran ist, wie sich diese antiquierte Logik, die Vorraussetzungen nicht mitreflektiert und der Macht dient, im Bereich Gesundheit und Umwelt auswirken kann. Es wird Zeit, alte Zöpfe der Naturwissenschaft endlich abzuschneiden. Wo doch die hohe Wissenschaft von Logik so viel hält, ist es unbegreiflich, dass durch die Universitäten kein Aufschrei geht.

Die Standardargumente
Meine Frage ist: Nutzen stattdessen etliche Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Internationale Kommission für den Schutz vor Nicht-Ionisierender Strahlung ICNIRP, auch das Bundesamt für Strahlenschutz BfS und die Strahlenschutzkommission SSK und andere Behörden die Achillesfersen bewusst aus? Oder wollen sie diese nicht zur Kenntnis nehmen?

Immer wieder macht man auf Veranstaltungen zu diesem Thema ähnliche Erfahrungen oder wird mit folgenden Argumenten und Vorgehensweisen konfrontiert, so auch in Prag. Ich denke, es wäre gut, diese zu strukturieren.

1. Argument:
Das einfachste ist, Kritik einfach zu ignorieren.

Referate über die wesentlichen Studien zum Thema EHS wurden auf dem internationalen Workshop der WHO nicht gehalten. So vermisste man wesentliche Studien u.a.
• die Reflexstudie von Franz Adlkofer,
• Horst Eger und seine Mitautoren mit der Naila-Studie,
• auch die Ergebnisse der EEG-Studie von L.von Klitzing,
• die Studie Peter Semm an Tauben und Zebrafinken
• die 28 Millionen Dollar-Studie von George Carlo
• die Studien von Leif Salford, die eindrucksvoll zeigen, wie sich das Gehirn einer Ratte durch Mobilfunk-Bestrahlung unterhalb des Grenzwertes verändert
• die Arbeit von Ulrich Warnke über Stickstoffmonoxyd, die einen schädigenden Wirkungsmechanismus von Hochfrequenzsendern auf die Gesundheit erklären kann.

2. Argument:
Ein Zusammenhang zwischen EHS-Symptomen und Mobilfunk wird von manchen Forschern angenommen, aber man weiß nicht genau „w i e“ das passiert.

So kann eben nicht sein, was nicht sein darf. Diese Denkweise ist erstaunlich. Eine Ursache-Wirkungsbeziehung wird zwar beobachtet und für möglich gehalten, aber weil die Wissenschaft nicht in der Lage ist (auch nie sein wird) den exakten vollständigen mikrobiologischen, elektronischen, chemischen, magnetischen, physiologischen Ablauf im lückenlosen Zusammenspiel aufzudecken, wird eine Wirkung für nicht existent erklärt.
Das ist etwa so, als wenn man einen Fußball ins Tor schießt und wissenschaftlich erst einmal beweisen muss, über welche Atome er rollt und welche Funktion diese haben etc., „b e v o r“ die Tatsache anerkannt wird, dass er wahrhaftig im Tor ist.

Unter anderem hat sich Norbert Leitgeb aus Graz, der in seinen Studien schon etliche Symptome entdeckt hat, in seiner Kernaussage diskret zurückgehalten. Der kausale Link zu EHS würde fehlen, sagt er. Ist das ein Grund die Symptome zu ignorieren, bzw. keine Konsequenzen zu ziehen? Gibt es da einen Denkstopp nach jahrelange Forschungen?
Es kann ja wohl nicht nur um perfekte monokausale Beweise gehen, weil es sich hier um kein totes Material handelt.

3.Argument:
Die Symptome, die in Studien über Mobilfunk genannt werden, sind unspezifisch:

Auf dem Workshop der WHO in Prag wurden von einigen Referenten unter anderem von Michael Repacholi ordnungsgemäß einige wesentliche Symptome von Elektrosensibilität aufgeführt:

agnes
# Posted: 30 Jul 2006 02:59
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• Symptome des Nervensystems (u.a. Kopfweh, Müdigkeit, Stress,
Schlafstörungen)
• Hautsymptome (u.a. Pickel im Gesicht, brennende Haut, Ausschläge)
• Verschiedene Körperliche Beschwerden (u.a. Schmerzen in den
Muskeln)
• Augenprobleme (u.a. Augenbrennen)
• Andere Symptome (u.a. an Ohr, Nase, Hals, Verdauungsstörungen)
Es fehlten:
• Herz - Rhythmusstörungen, Bluthochdruck
• Konzentrations- Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen
• Hirntumore, auf der Seite, auf der telefoniert wurde
• Epileptische Anfälle

Die Symptome können mehreren Krankheitsbildern zugeordnet werden, betonten Repacholi und z.B. der schwedische Epidemiologe Anders Ahlbom.
Patrick Levallois, Québec, war irritiert, dass in Schweden die Hauterscheinungen, in Deutschland die neurologischen Symptome genannt werden und dass man in den USA von Elektroallergie spricht.

Electrosensibilität ist real, stellte Repacholi fest. Wie er das meint?? Erst zählt er die Symptome auf und macht dann am Schluss eine Kehrtwendung um 180 Grad. Es gebe keine klare medizinische Diagnostik, sagt er. Und deshalb könne man keine Aussagen machen. Die vorhandenen Studien zeigten keinen Zusammenhang zwischen EMF und EHS. Diese seltsame Kehrtwendung konnte man auf dem Workshop mehrfach beobachten.
Jedoch einige Symptome wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen lassen sich bei fast allen Elektrosensiblen finden. Insofern gibt es auch über die Symptome spezifische Hinweise auf EHS.

4. Argument:
Die Symptome sind durch andere Umwelteinflüsse hervorgerufen und multifaktoriell bedingt

Levallois erwähnte, dass alltägliche Chemikalien und Amalgam EHS auslösen könnten. Das ist bekannt.
Viele der Elektrosensiblen sind bereits vorgeschädigt durch Pestizide, Holzschutzmittel, Lösungsmittel, etc. Die niederfrequent gepulste Hochfreqenz des Mobilfunks ist bei vielen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Jeder Mensch macht sein Leben lang auch bestimmte Erfahrungen mit seinem Körper. Viele Patienten nehmen körperliche Veränderungen bewusst wahr und wissen, welches die Auslöser sind. Meist ist es möglich, bestimmte Symptome bestimmten Ursache zuzuordnen. Betroffene sind oft Experte für ihren eigenen Körper. Wenn Elektrosensible, Allergiker etc. darüber Auskunft geben, wird das als Eigenreport oder „self-reportet“ von Experten kaum anerkannt, z.B. auch nicht von Eduard David von der privaten Universität Witten-Herdecke, die stark von der Industrie abhängig ist.
Natürlich kann ein Patient unter Elektrischer Sensibilität und Multipler Chemikaliensensibilität (MCS) leiden.
Wenn ein Mensch z.B. krankenhausreif geschlagen wurde, so können auch mehrere Schläger daran beteiligt gewesen sein. Ein Schläger kann sein brutales Verhalten doch nicht damit entschuldigen, dass andere mitgeholfen haben? Jeder hat Verantwortung. So sehen die Gerichte das auch.
Nicht so bei den Verursachern von MCS und EHS.
Aber ob jemand durch Schläge und Tritte oder durch Elektrosmog körperlich beeinträchtigt wird, spielt letztlich keine Rolle. In beiden Fällen handelt es sich um Körperverletzung, auch wenn die Betreiber das weit von sich weisen, und Gerichte ihnen brav folgen, weil das naturwissenschaftlich nicht zu beweisen sei.

Weshalb Anders Ahlbom vom Stockholmer Karolinska Institut keine Farbe bekennt und sich dem Trend der WHO anschließt, ist unverständlich. Das online RP Internet Magazin zitiert ihn am 22. Oktober 2004: „Wir sind nun überzeugt, von dem ziemlich hohen Risiko durch den Gebrauch von Mobiltelefonen und erwarten die Bestätigung durch andere Forschergruppen. Das Telefonieren mit dem Handy ist angeblich doch gefährlicher als gedacht. Wer über Jahre viel telefoniert, erhöht das Risiko einen Hirntumor zu bekommen. Der ist zwar gutartig, senkt aber das Hörvermögen.“

Dem Magazin "Nature" sagte Ahlbom: "Wir waren von den Resultaten überrascht, aber das Ergebnis ist ziemlich klar“. Er und seine Kollegen hatten rund 150 Patienten mit akustischem Neuroma (Tumor) befragt und etwa 600 gesunde Menschen über ihren Handy-Gebrauch. Bei denjenigen, die seit über zehn Jahren regelmäßig per Handy telefonierten, war die Wahrscheinlichkeit für den Tumor verdoppelt.“
http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/wissenschaft/medizi n/66249

Auf dem Prager Workshop betonte Ahlbom jedoch: Die EHS Symptome sind unspezifisch und haben einen multifaktoriellen Hintergrund. Die gleichen Symptome müssen nicht die gleichen Ursachen haben. Seine eigene Studie hatte für ihn keine Bedeutung. Wofür er die dann wohl gemacht hat? Nur um Geld zu verdienen?

5. Argument:
Elektrosensibilität ist psychisch bedingt.

Zwei Referenten forderten die Versammlung sogar auf, Elektrosensibilität in Elektrophobie umzutaufen. Man einigte sich auf „Alles Psyche“, dieses Argument ist eine beliebte Diagnose, nicht nur bei Elektrosensiblen, den MCS-Kranken und Allergikern. Die Psyche muss immer dann herhalten, wenn man bestimmte Krankheiten nicht erklären kann oder will.

agnes
# Posted: 30 Jul 2006 03:00
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Auf dem Workshop sprach Dr. Herman Staudenmayer, Colorado, USA von der Idiopathic Environmental Intolerance IEI (einer umweltbedingten Intoleranz mit unbekannter Ursache). Wer diesen Begriff gebraucht, verrät damit sogleich seine Meinung. Der Begriff wurde in Berlin auf einem Workshop der WHO mit Vertretern der deutschen Regierung eingeführt. Damit sollte der Begriff der Multiplen Chemischen Sensibilität ersetzt werden, um die Aufmerksamkeit von der Chemischen Industrie als Verursacher der Krankheit abzulenken.
Wer den Begriff IEI verwendet, spricht in der Regel von psychischen und psychosomatischen Ursachen.
Auch Eugene Lyskov, Umea, Schweden, sieht vor allem einen psychosomatischen Effekt aufgrund veränderter Stresssituation und der daraus resultierenden Hyperaktivität des vegetativen Nervensystems.

Die These „EHS ist psychisch“ vertraten in Prag zum Beispiel:
1. alle Referenten vom Nationalen Referenz-Labor für nicht-ionisierende Strahlung (National Reference Laboratory for Non-Ionising Radiation) in Prag, Václav Krejci und Ludek Pekarek und Lukas Jelinek.
2. Helena Hillert, vom Karolinska- Institut Stockholm - in Schweden bei den Elektrosensiblen berüchtigt. Sie möchte Elektrosensibilität mit Verhaltenspsychologie heilen.
3. Eduard David, der sogar schizophrene Strukturen und Einflüsse aus dem Fernsehen für EHS-Symptome vermutet.
4. Besonders scharf drückt sich der Tscheche Professor für Biophysik Mojmir Petran aus. Wenn ein Psychiater Elektrosensiblen nicht helfen kann, solle er seinen Beruf wechseln, heißt es in seinem Summary. Er solle auch seine Wohnung steinzeitmäßig einrichten.

Man muss kein Hellseher sein, um schon vor Beginn des Workshops zu wissen, dass sich die meisten Referenten darauf einigen werden, dass Elektrosensible psychisch krank sind!!!!


6. Argument:
Die Ergebnisse sind widersprüchlich, es muss weitere Forschung stattfinden.

Dies ist ein Standardargument, das auf keiner Veranstaltung zum Thema Mobilfunk fehlt. Es hat sehr oft den Sinn, Konsequenzen möglichst lange aufzuschieben. Es gibt unzählige Studien über elektromagnetische Strahlen – im Internet kursiert die Zahl 20 000, aber niemand weiß das genau - davon ein paar Hundert, die darauf hinweisen, dass sich Mobilfunk schädlich auf die Gesundheit auswirken kann.
Repacholi will jedenfalls, wie etliche andere Referenten, dass weitere Studien gemacht werden, die die Wissenslücken schließen sollen. Angeblich.....
Ahlbom sagt, es gäbe nur sehr wenige epidemiologische Studien, was ihn sehr überraschen würde, bei dem Interesse, das EHS genießt. Es gäbe nur zwei Studien, die sich auf Sender und drei die sich auf Mobilfunk beziehen. Aus epidemiologischen Studien könne man ohnehin keine Schlüsse ziehen, erklärt er.
Während nun eine Reihe von Leuten davon überzeugt seien, dass sie unter EMF leiden, gebe es keine wissenschaftliche Notwendigkeit ihren Ansprüchen Folge zu leisten. Der Zusammenhang von EMF und EHS sei bisher nicht ernsthaft getestet worden, so Ahlbom.


7. Argument:
Es gibt viele Studien, die darauf hinweisen, dass Mobilfunk keinen Einfluss auf die Gesundheit hat.

Das sind Studien die sich fast ausschließlich auf ungepulste Strahlung beziehen. Eine weitere Ursache ist, dass es sich um keine Langzeitstudien handelt. EHS-Symptome äußern sich sehr oft erst nach einer gewissen Zeit. Es gibt nur wenige Elektrosensible, die sofort sagen können, wann in Provokationsstudien die elektromagnetische Strahlung an bzw. abgeschaltet wird.


8. Argument:
Man kann nicht von den Ergebnissen bei Tierversuchen auf Menschen schließen

Jan Bures, vom Physiologischen Institut Prag, berichtete über Magnetfeldsimulationen menschlicher Gehirne, die mit Ausnahme einiger weniger gravierender Folgen (?), bei mehreren Zehntausend Probanden keine biologischen Effekte erzeugten (aus guten Gründen keine Langzeitstudie ?). Zwar hätten Langzeitversuche bei Tieren Effekte gezeigt; eine EMF-Hypersensitivität beim Menschen hält Bures aber für nicht wahrscheinlich.
http://www.elektrosmognews.de/news/20041128_workshop_prag.html

Das schönste Beispiel ist die Doppelblind Studie von Michael Repacholi, die alle kennen. Sie wurde ja blitzschnell disqualifiziert, nachdem das Ergebnis der Mobilfunklobby speziell der australischen Telefongesellschaft Telstra nicht genehm war. Auch Repacholi wandelte über Nacht seine Ansicht über das Ergebnis seiner 18 Monate dauernden Studie ins Gegenteil. Als Begründung hieß es u.a., man könne Tierversuche nicht auf Menschen übertragen. Ein gutes Ergebnis, dass man wenigstens den kleinen Vierbeinern davon abrät, mit Handys zu telefonieren.

„Die Produkte der Pharmaindustrie basieren schon immer auf Tierversuchen. Soll die Pharmaindustrie ihre Produkte jetzt vom Markt nehmen?“
Dieter Kugler, Institut für gesundes Leben und Wohnen“, Bad Heilbrunn.





9. Argument:
Das ist eine Einzelstudie, die nicht wiederholt wurde und hat deshalb keine Gültigkeit

Dieses Argument wurde im Workshop mehrfach benutzt. In der Regel gibt es kein Geld, für Studien, die mit genau dem gleichen Design wiederholt werden. „Sie finden keinen einzigen Wissenschaftler, der einen Versuch exakt wiederholt. Denn eine solche Studie könnte nicht publiziert oder als Dissertation eingereicht werden, wenn das selbe Ergebnis herauskommen würde wie zuvor. Deshalb werden in aller Regel kleine Modifikationen vorgenommen“, so von Klitzing.


10. Argument:
Elektrosensible müssen ernst genommen werden. Man muss ihnen helfen.

Ähnliches wurde auch auf dem Workshop gesagt. Man hört es oft. Aber es ist nicht ernst gemeint. Vielmehr werden sie als Gegner angesehen und entsprechend behandelt. Hilfe wird von den Leuten - die eben ihr Geld damit verdienen, dass es Elektrosensibilität gibt - in Form von Ratschlägen gegeben. Elektrosensible solle sich psychiatrisch behandeln lassen.

Es gibt noch weitere Argumente.
Auch werden einfach unfaire Bedingungen gestellt, machen wir uns nichts vor, auf die Wahrheit kommt es nicht an.

• Studien würden nur dann anerkannt, wenn sie in relevanten wissenschaftlichen Zeitschriften erschienen wären. Nur vielleicht nimmt die Fachzeitschrift eine Studie nicht an, weil sie etablierte Ergebnisse infrage stellt.
• wenn die Studie im Auftrag eines Mobilfunkbetreibers durchgeführt wurde, hat sich dieser die Rechte für die Veröffentlichung vorher erworben, und lässt sie evtl. nicht veröffentlichen.
• Studien seien nur dann relevant, wenn sie von einem
interdisziplinären Team ausgeführt worden wären,
• Die Studien würden nur einen statistischen und keinen ursächlichen Zusammenhang belegen, ist ein weiteres Argument.
• Studienergebnisse seien nicht überprüfbar oder seien falsch interpretiert worden.

Es gibt immer irgendwelche Anhaltspunkte, um ein Haar in der Suppe zu finden und wenn man keines findet, wird eines hineingeworfen. Was mich aber auf Veranstaltungen, in denen die Betreiber dominieren, besonders bestürzt, sind die Berichte von schwer kranken Elektrosensiblen, die mehr oder weniger abgefertigt werden und dennoch „political correctness“ bewahren. Das wird auch allgemein erwartet und die Betroffenen gehen deprimiert wieder nach Hause.

agnes
# Posted: 30 Jul 2006 03:02
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Wenn man allerdings Elektrosensible einlädt, sollte man auch einen ernsthaften Dialog zulassen. Allein ihre Anwesendheit und ein paar Statements und Plakate als Feigenblatt reichen da nicht aus.


Zwei Beiträge verantwortlicher Wissenschaft

Eindruck in Prag machte die Langzeit-Studie von Olle Johansson, Professor für experimentelle Dermatologie am Karolinska-Institut in Stockholm. Er berichtete von physikalischen Schäden an der menschlichen Haut durch elektromagnetische Einflüsse sowohl im stromfrequenten Bereich (50Hz) wie im radiofrequenten- wie im Mikrowellenbereich (Mobiltelefonie) und konnte das durch interessantes Bildmaterial belegen. Natürlich meldete sich nach seinem Vortrag sofort ein „Experte“, der darauf hinwies, dass Nerven sowieso alle immer unterschiedlich aussehen würden.

Neben Johansson belegte Christopher Müller aus Zürich, dass EHS nicht durch rein psychische Ursachen oder Plazebo-Effekte ausgelöst werden kann.

Es geht nicht allein um Mobilfunk
Vermutlich gäbe es die oben aufgeführten Argumente nicht, wenn sie nicht mit massiven Drohungen untermauert wären, mit Schadenersatzklagen und einem Heer williger hochbezahlter Juristen und wie jeder weiß, Mobilfunk und seine Folgen werden in Deutschland aus haushaltstechnischen Gründen von ganz oben abgesegnet. Weil die Medien von Werbeaufträgen abhängig sind, orientieren sie sich oft an der einer industriefreundlichen Meinung.

An mögliche Konsequenzen oder daran, ob sich die Sache für die Mobilfunkindustrie eventuell genauso entwickelt, wie für die Zigarettenindustrie, dachte niemand. War auch nicht nötig, da ja die Meinung vorherrschte, alles bleibt, wie es ist. Die Wahrscheinlichkeit einmal zur Verantwortung gezogen zu werden, ist ja auch minimal. Irgendwelche kausalen Links werden immer fehlen.

Die Erde ist ein Lebewesen
Es geht aber um viel mehr. Über die Verseuchung von Boden und Wasser wird viel gesprochen, allerdings wenig getan. Jetzt wird inzwischen auch die Atmosphäre immer mehr belastet mit den unterschiedlichsten Frequenzen von Mobilfunk, Radar, Satelliten, Funk etc. die sich mit Abgasen und Chemikalien des Straßenverkehrs, der Industrie und der Flugzeuge vermischen.

Mobilfunk ist nur ein Risikoprodukt. Laufend kommen neue auf den Markt, die die empfindliche Balance in der Natur bedrohen. Wir sollten nicht vergessen, dass Leben mit einer unglaublichen Feinabstimmung entstanden ist und ein Gleichgewicht der Lebensbedingungen nur mit einer ungeheuren Präzision erhalten bleibt. Alles was es in der Natur gibt, ist ein Baustein des Lebenssystems. Darüber erfahren wir fast nichts in unserer Kultur. Nicht in der Schule, nicht in der Universität, kaum in den Medien.

James Lovelock spricht von der Erde als Gaia, einem „lebendigen Wesen“: Und „Alles was wir diesem Wesen antun, tun wir uns selber an“, sagt die indische Philosophin Shiva. Zu wissen, dass man andere Lebewesen mit seiner Arbeit und Gewinnen krank macht, macht die eigene Seele krank. Eine Hoffnung ist, dass jetzt endlich eine mutige Umweltschützerin den Friedensnobelpreis erhalten hat: Wangari Maathai, die in ihrem Heimatland Kenia Tausende Frauen dazu gewonnen hat, um 30 000 Bäume zu pflanzen.
Auf solchen Aktionen kann die Wirtschaft dauerhaft aufbauen.

Aus der individuellen Perspektive muss es heißen: Mein Risiko gehört mir, zumindest weitestgehend und es ist nicht einzusehen, dass andere auf Kosten von Gesundheit und Lebensqualität, Gewinne machen. Egal, ob das trotz Grundgesetz legalisiert ist. Arbeitsplätze sind auch keine Begründung. Es gibt genügend Arbeit auf dieser Welt, die Sinn macht und dem sozialen Frieden dient und dazu, die Schöpfung zu bewahren.
Hier schließe ich jetzt, sonst müsste ich ein neues Referat beginnen.

Antje Bultmann
Wissenschaftsjournalistin
Sauerlacherstr. 1
82515 Wolfratshausen
Tel: 0049 8171 72615
Fax: 0049 8171 22834
Antje9@aol.com

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